Ein digitaler Mitarbeiter für Friseure

The Cube Club ist eines der wenigen Start-ups in Deutschland, das in der Handwerksbranche aktiv ist. Gründer Stelios Tassias entwickelte einen elektronischen Tubenauspresser für Friseursalons.

Stelios Tassias arbeitet seit mittlerweile 38 Jahren als Friseur. Erst 13 Jahre in dem Nobelhotel Nassauer Hof in Wiesbaden, seit 2008 mit seinem Salon „Beauty Concept Store“. Auf über 300 Quadratmetern schneidet er dort fast täglich seinen Kundinnen und Kunden die Haare. Doch etwas störte den Friseurmeister während seiner Arbeit schon über viele Jahre.

„Das Wegwerfen von teuren Farben ist mir schon lange ein Dorn im Auge“, sagt Tassias. „Die handelsüblichen Tubenpressen sind umständlich und nicht effektiv.“ Zu viel Restfarbe würde in den Verpackungen übrig bleiben. Und so entstand die Idee, eine Maschine zum Auspressen von Tuben mit einer Beschaffungsplattform und App zu verbinden.

Kunststoffabfälle sind deutschlandweit ein Problem. Jährlich fallen mehr als sechs Millionen Tonnen an. Wie viele davon wirklich auf das Friseurhandwerk zurückfallen würden, kann der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser und Rohstoffwirtschaft nicht benennen, aber jedes bisschen an Reduzierung kann da nur helfen. Denn die Hauptabfallprobleme in Friseurbetrieben entstehen in der Regel durch voluminöses Verpackungsmaterial, wie Kunststoffbehälter, Farbtuben und Spraydosen, aber auch durch abwasserbelastende Stoffe, wie Dauerwellenmittel.

Der BDE begrüßt daher Ideen, wie die von The Cube Club. „Jede Initiative, die auf Nachhaltigkeit setzt, ist gut”, sagt ein Sprecher des Verbandes. „Irgendwann ist sicher auch die sorgfältig ausgepresste Tube leer, aber jede eingesparte Verpackung zählt.“ Zudem würden besser ausgepresste Tuben den Sortieranlagen helfen. Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks begrüßt Innovationen in der Branche.

Mit der Idee von Tassias, einem schwarzen, würfelförmigen Gerät, dem so genannten „Cube“, sollen Friseure neben dem Chemiemüll aber auch Zeit und Geld sparen. Der Cube steht dabei für gewöhnlich im Labor oder der Mixecke des Salons, da wo der Materialverbrauch stattfindet. Jedes Produkt, was der Friseur aus dem Regal oder dem Lager nimmt und anwendet, erfasst der im Würfel integrierte Scanner. So wandert eine neue Tube automatisch in den Warenkorb einer zugehörigen App zur Nachbestellung. Der elektronische Part ist das Neue an der Idee: Bisher pressten Friseure ihre Tuben mit der Hand aus oder einem kurbelbaren Tubenpresser. Das Gerät arbeite präziser, so der Gründer.

2015 entwickelte Tassias den ersten Prototypen. Ein Patent dafür reichte er 2018 ein. Seit August 2021 hat das Start-up ein Patent auf die Wirkweise der Walzen. Angst vor Konkurrenz hat Tassias daher bisher nicht. „Momentan gibt es nichts Vergleichbares mit diesem großen Mehrwert zur Einsparung von Ressourcen“, sagt er.

Im April 2020 gründete er schließlich das Start-up und Bestellplattform The Cube Club mit seinem Partner Richard Beetz. „Er fand die Idee sehr spannend und ist für die Digitalisierung verantwortlich“, sagt er über den Wirtschaftsinformatiker, der zuvor 15 Jahre in Projekten für digitale Transformation arbeitete. Die Hardware und die App werden von The Cube Club kostenlos zur Verfügung gestellt. „Friseure können daher testen, ohne eine Verpflichtung einzugehen“, sagt Tassias.

Rund 10.000 Artikel Friseure nun über den Cube bestellen – und landen damit automatisch im eigenen Großhandelsshop des Gründers. Denn Tassias hat seinen Cube mit seinem eigenen Versandhandel verknüpft. So will er nicht nur durch den Verkauf seiner Maschine, sondern auch durch das Vertreiben der Farben profitieren. Etwa drei Tage dauert es, bis die Lieferung im Salon eintrifft, verspricht der Gründer. Zu den Produkten, die er vertreibt, gehören inzwischen nicht nicht nur die Tuben von Marken wie Wella bis L’Oréal, sondern auch andere Produkte vom Shampoo bis zum Frisierstuhl.

Ein Salon mit zwei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern soll durch die Tube im Jahr zwischen 500 und 1000 Euro sparen. „Pro Tube kann bis zu einem Euro gespart werden“, so Tassias. Im Sommer 2021 testete sein Start-up sein Komplettpaket über drei Monate mit zehn Salons, mit Erfolg. Im Oktober 2021 konnte Tassias den Investor Dominik Benner von The Platform Group gewinnen, eine Firmengruppe zur Digitalisierung des stationären Handels, die mit Händlern und Großhändlern, wie Schuhe24 und Bikeangebot zusammen arbeitet.

Quelle: https://www.startbase.de/portraits/ein-digitaler-mitarbeiter-fuer-friseure/

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